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„Köln erinnert mich ein bisschen an meine ukrainische Heimat Donezk“

Interview mit Ukrainer Yuri Igitov – Teil 1

Yuri Igitov, 29 Jahre alt, ist ein ukrainischer Arzt aus Donezk und seit August in Deutschland. Bei den Carl Duisberg Centren in Köln besuchte er einen zweiwöchigen Deutschkurs für ukrainische Geflüchtete. In Teil 1 unseres Interviews spricht er mit uns über seine ersten Eindrücke, die größten Herausforderungen und typisch deutsche Erfahrungen.

1. Lieber Yuri, wie waren Deine ersten Tage in Deutschland?

Ich bin Mitte August in Frankfurt angereist und bin dort bei Freunden untergekommen. Meine Familie ist noch in der Ukraine. Da ich in Köln ein Wohnungsangebot gefunden habe, bin ich hierhergekommen. Ich wohne bei einem Mann, der sehr hilfsbereit ist. 2012 war ich schon einmal in Deutschland für einen Kurzurlaub in Bremen und einer kleinen Stadt nahe Berlin. Das hat mir sehr gut gefallen.

2. Wie war dein erster Eindruck von Land und Leuten?

Mein Eindruck ist sehr positiv. Die Deutschen sind total hilfsbereit. Egal ob bei der Wohnungssuche, beim Deutschlernen oder beim Jobfinden mit dem Jobcenter – ich erhalte sehr viel Unterstützung. Ich weiß das sehr zu schätzen und möchte das irgendwie zurückgeben.

3. Was war bisher die größte Herausforderung für Dich?

Die bürokratischen Abläufe in Deutschland sind anstrengend. Vieles ist sehr kompliziert. In der Ukraine haben wir ein Onlineprogramm, über das alles geregelt wird. Man muss nicht Termine machen und extra hingehen. Auch bei den Banken in Deutschland dauert es alles etwas länger. Letztens wurde mir etwas überwiesen, dann war Wochenende und anschließend Feiertag – das Geld war erst am Dienstag da. Und: Eine bezahlbare Wohnung zu finden ist aktuell auch eine Herausforderung.

4. Wie gefällt dir Köln?

Tatsächlich erinnert mich Köln ein bisschen an meine ukrainische Heimat Donezk. Es gibt in hier viel Kultur, Theater, den Dom und historische Plätze. Ich mag auch die Natur. Die Dörfer in Deutschland wirken sehr sauber, fast idyllisch. Ich könnte mir vorstellen, dort zu wohnen. Ein Klischee, das stimmt: Das Bier hier ist lecker. ;-)

5. Was ist für Dich typisch Deutsch?

Die Menschen in Deutschland sind entspannt und genießen ihr Leben. Sie haben eine Routine: Sie trinken Kaffee am Morgen, essen sonntags Brötchen und lesen dabei Zeitung. In der Ukraine machen wir Dinge sehr schnell, der Alltag ist sehr stressig. Viele haben zwei Jobs. Ich kenne einige Kollegen, die neben ihrem Beruf als Arzt auch als Verkäufer oder Kellner arbeiten müssen. Die Deutschen sind auch sehr nachhaltig und umweltbewusst. Hier wird recycelt. Es gibt Pfand und für jeden Abfall eine spezielle Tonne.

Helfen auch Sie, Geflüchteten die Teilnahme an einem Deutschkurs zu ermöglichen. Jetzt für ein Sprachkursstipendium spenden: https://ukraine.cdc.de/

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